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Rheuma – nicht selten ist auch die Lunge betroffen
Workshop Rheumatologie des Rheumazentrums am Universitätsklinikum Leipzig / Zusammenhänge der verschiedenen Autoimmunkrankheiten standen im Mittelpunkt
Autoimmunkrankheiten wie Rheumatoide Arthritis, Diabetes mellitus, Morbus Bechterew oder Sjögren-Syndrom haben viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Die zu den Krankheiten führender Mechanismen sind ähnlich, bedürfen jedoch unterschiedlicher therapeutischer Ansätze. Darauf machten die Referenten beim 11. State of the Art Workshop Rheumatologie interdisziplinär aufmerksam, das vom Rheumazentrum am Universitätsklinikum Leipzig e.V. veranstaltet und von Prof. Dr. Häntzschel, erster Sprecher des Rheumazentrums, und Prof. Dr. Baerwald, Leiter der Sektion Rheumatologie und Gerontologie am Universitätsklinikum Leipzig, wissenschaftlich geleitet wurde.
Prof. Dr. Ulf Wagner von der Sektion Rheumatologie und Gerontologie am Universitätsklinikum Leipzig sprach über Autoimmunitäten bei rheumatologischen Erkrankungen, die beispielsweise Vasculitis, Episcleritis oder auch das Sjögren-Syndrom nach sich ziehen können. "Rheumatische Erkrankungen sind fast immer Systemerkrankungen", so Prof. Wagner. "Durch die variierende Symptomatik sollten wir immer nach anderen möglichen Erkrankungen suchen und beispielsweise daran denken, dass nicht selten auch die Lunge betroffen sein kann."
Dr. Anke Tönjes von der Klinik für Endokrinologie und Nephrologie am Universitätsklinikum Leipzig machte Zusammenhängen zwischen Diabetes mellitus und Rheumatoider Arthritis sowie Multipler Sklerose, Morbus Crohn und Schilddrüsenerkrankungen deutlich. "Beispielsweise basieren Typ-1-Diabetes und Mulitiple Sklerose auf einer T-Zell-vermittelten Autoimmunität", sagte sie. Anhand von Daten wies sie nach, dass Typ-1-Diabetiker insgesamt ein erhöhtes Risiko für andere Autoimmunerkrankungen haben.
Der erstmals von Hashimoto beschrieben Autoimmunthyreoiditis, widmete sich Dr. Stefan Karger, Assistenzarzt an der gleichen Klinik. Diese Erkrankung stellt eine der häufigsten Autoimmunerkrankung dar, die zu einer Zerstörung des Schilddrüsengewebes mit der Folge der Unterfunktion führt. Beide Referenten wiesen auf die genetisch bedingten Formen des polyglandulären autoimmunen Syndroms hin. Dieses liegt vor, wenn zwei oder mehr endokrinologische Erkrankungen gleichzeitig nachweisbar sind.
Zu rheumatischen Veränderungen als Folge des Diabetes Mellitus sprach Prof. Dr. Christoph Baerwald, Leiter der Sektion Rheumatologie und Gerontologie am Universitätsklinikum Leipzig. Zu diesen können beispielsweise ein Muskelinfarkt am hinteren Oberschenkel gehören oder auch der Charcot-Fuß, der zu der diabetischen Fußerkrankungen gehört. Rheumatische Veränderungen als Folge der metabolischen Veränderungen bei Diabetes mellitus können eine Diffuse idiopathische skelettale Hyperostose (DISH) sein, die zur Versteifung von Teilen der Wirbelsäule führt. Während der Morbus Bechterew, der zu ganz ähnliche Folgen führt, entzündliche Ursachen hat, beruht DISH auf Stoffwechselstörungen. Auch die Cheiroarthropathie, die krankhafte Veränderung vor allem der Finger- und Handgelenke, ist bei Diabetikern anzutreffen. Im englischsparachigen Raum wird die Krankheit auch Prayer sign genannt, weil beim Aufeinanderlegen der Handflächen immer ein Spalt bleibt – wie bei betenden Händen. Rund 40 Prozent der Diabetiker sind mehr oder weniger ausgeprägt betroffen.
Dem Thema Depression und Chronische Krankheiten, wie Rheumatoide Arthritis, widmete sich Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie am Universitätsklinikum Leipzig. Er betonte, dass Depressionen mehr sind, als eine gedrückte Stimmung. Zwar leiden Rheumatiker häufig unter Depressionen, aber dies sei nicht ausdrücklich eine Folge der körperlichen Beschwerden. "Es stimmt nicht, dass körperliche Beschwerden Depressionen verursachen. Wohl aber lassen Depressionen die Beschwerden stärker wahrnehmen, Schmerzen bekommen die Qualität des Unerträglichen." Deshalb sei es wichtig, dass behandelnde Ärzte bei Rheumapatienten auf Symptome einer möglichen Depression achten und durch Exploration diagnostizieren. Professor Hegerl erklärt Patienten gegenüber die Depression als eine Erkrankung mit den beiden Seiten einer Medaille: obligatorische endogene Faktoren und exogene, meist psychosoziale Faktoren. Dieser Erkrankung könne mit Antidepressiva und Psychotherapie begegnet werden.
Auf die Progressive Multifokale Leukenzephalopathie (PML), einer Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen auftreten kann, machte PD Dr. Florian Then Bergh, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig aufmerksam. Sie kann sich in Sprach- und Gefühlsstörungen, motorischen oder Gesichtsfeldausfällen äußern. "Da der verursachende JC-Virus bei 40 bis 60 Prozent aller Menschen vorhanden ist, sollte bei jeder immunsuppressiven Therapie daran gedacht werden, dass eine PML ausgelöst werden kann", so Dr. Then Bergh. Für den Rheumatologen heiße das, bei Verdachtsfällen sofort die Medikamente abzusetzen und den Neurologen zu Rate zu ziehen. Zum Nachweis oder Ausschluss der PML ist neben einem MRT mit Kontrastmittel ein Nachweis des JC-Virus mittels PCR im Liquor notwendig.
Stress und Rheuma – diesem Zusammenhang widmete sich Dr. Olga Malysheva von der Sektion Rheumatologie und Gerontologie am Universitätsklinikum Leipzig. Ihr Fazit: "Schon leichter und moderater chronischer Stress kann die Aktivität von Rheumatoider Arthritis verstärken." Hier könnten Koping-Strategie, Meditations- und Entspannungstechniken helfen, Stress abzubauen.
"Die Rheumatoide Arthritis selbst und die Schwere der Erkrankung führen zu einem erhöhten Risiko für Infektionen und Lymphome", sagte Prof. Dr. Hubert Nüßlein, niedergelassener Rheumatologe in Nürnberg, in seinem Vortrag zur den Risiken von Biologika. Diese neuartigen, sehr wirkungsvollen Hemmer von Botenstoffen der chronischen Entzündung können schwerwiegende Infektionen, Tbc und Hautkrebs auslösen. Auch wurden inzwischen drei Erkrankungen an PML mit letalem Ausgang bekannt. Deshalb sollten behandelnde Ärzte diese Risiken bedenken.
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