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Bewegung ist alles – auch gegen den Herzinfarkt

14. Leipziger Gespräch in der Physikalischen Therapie und Rehabilitation zum Thema "Myokardinfarkt im Kontext der Physiotherapie"

Ob Auszubildende von der Medizinischen Berufsfachschule oder erfahrener Oberarzt – die Fortbildungsreihe "Leipziger Gespräch in der Physikalischen Therapie und Rehabilitation" findet ein breites Publikum. Darüber konnte sich Dr. Claudia Winkelmann, Leiterin der Stabsstelle Physikalische Therapie und Rehabilitation, auch zur inzwischen 14. Veranstaltung freuen, auf der jüngst Dr. Helge Voigt vom Fachbereich Kardiologie/Angiologie des Universitätsklinikums Leipzig zum Thema "Myokardinfarkt im Kontext der Physiotherapie" sprach.

"Unter Myokard- oder auch Herzinfarkt versteht man das Absterben von Teilen des Herzmuskels aufgrund einer andauernden Durchblutungsstörung", erläuterte Dr. Voigt die Erkrankung. "In den meisten Fällen entsteht dieser Verschluss durch Blutgerinnsel in einer arteriosklerotisch veränderten Engstelle eines der drei Herzkranzgefäße." Dabei ist die Arteriosklerose, die zur Verengung der Gefäße führt, zum großen Teil altersbedingt. Aber auch Rauchen, ungünstige Fettwerte und Diabetes mellitus tragen zur Arterienverkalkung bei.

Ein heftiger Schmerz in der Herzgegend ist das typische Zeichen eines Herzinfarkts. Bei Frauen kann es auch atypische Symptome geben, wie Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen. "Das kann dazu führen, dass nicht sofort das eigentliche Problem erkannt wird. Dabei ist es besonders wichtig, schnell zu handeln, um den Verschluss zu beseitigen. Also: Nicht den Hausarzt kontaktieren, nicht selbst in die Klinik fahren, sondern gleich die 112 rufen und sagen, dass der Verdacht eines Herzinfarktes besteht. Es kommt schließlich auf jede Minute an. Denn jemehr Herzgewebe abstirbt, umso schwerwiegender die Folgen", so der erfahrende Herzspezialist.

Der Verschluss wird in den meisten Fällen per Herzkatheter, der über die Leiste oder die Ellenbeuge eingeführt wird, beseitigt. Dann wird der Patient 24 bis 48 Stunden noch genau überwacht. Wenn er nach einigen Tagen auf die kardiologische Normalstation verlegt wird, beginnt möglichst schnell die Mobilisation des Patienten durch Physiotherapeuten.

"In der ersten Woche sind Atemgymnastik, passive Bewegungsübungen und auch schon die so genannte Bettkantengymnastik möglich", erläuterte Dr. Voigt. "In der zweiten Woche ist Treppensteigen – aber nur eine Etage – angesagt, um das Herz langsam wieder an Belastungen zu gewöhnen. Ab der dritten Woche erfolgt die Rehabilitation entweder stationär oder ambulant in einem Reha-Zentrum."

Im Leipziger Universitätsklinikum kümmert sich ein Reha-Team, das multidisziplinär zusammengesetzt ist aus Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Psychologen und natürlich Ärzten und Schwestern, um die Genesung der Herzinfarkt-Patienten. "Dabei dient die Rehabilitation nicht nur der Erholung vom Akutereignis, sondern auch der dauerhaften Beeinflussung von Risikofaktoren", hob der Leipziger Kardiologe hervor. "Das heißt, wir müssen manchem Patienten vermitteln, dass er sein Verhalten ändern muss: zum Beispiel Schluss mit dem Rauchen. Bei Diabetes-Patienten muss der Blutzuckerspiegel optimal eingestellt werden. Im Grunde geht es darum, möglichst einen weiteren Herzinfarkt zu vermeiden."

Der Sekundärprävention, also dem Schutz vor einem zweiten Infarkt, dient vor allem Bewegung. "Wenn durch sportliche Aktivitäten 2000 bis 3000 Kilokalorien pro Woche zusätzlich verbrannt werden, werden die kardiovaskulären Ereignisse um immerhin 50 Prozent reduziert", so Dr. Voigt. "Schon allein das Treppensteigen verbrennt 1000 Kilokalorien pro Woche – und senkt das Mortalitätsrisiko um 20 bis 40 Prozent. Auch Gartenarbeit oder Spaziergänge mit dem Hund tun gut, weil sie Bewegung und damit Training für Herz und Kreislauf sind. Apropos Hund: Nicht umsonst nennt man ihn den vierbeinigen Physiotherapeuten. Denn er treibt sein Frauchen oder Herrchen alle paar Stunden vom Sessel hoch."

Als vorteilhafte Aktivitäten pro Tag nannte der Herzspezialist Spaziergänge von insgesamt einer Stunde, Radfahren von 30 Minuten, Schwimmen von 15 Minuten sowie auch Golfspielen, Tanzen, Skilanglauf und Tennis. "Aber bitte ohne Ehrgeiz", betonte der Kardiologe. "Denn der Motor des Körpers muss zwar etwas gefordert werden, sollte aber nicht in Höchstdrehzahlen hochgejagt werden." Ein leichtes Krafttraining wie im Fitnessstudio sei in Ordnung, allerdings sollten Übungen vermieden werden, bei der eine Pressatmung entstehe. Ungünstig Aktivitäten für Herzpatienten seien Hand-, Fuß- und Basketball sowie Tischtennis.

"Im Grunde ist es ganz einfach, die Dosis der Belastung einzuschätzen: Man muss sich bei der Aktivität gut unterhalten können, ohne Luftnot zu bekommen. Muss man aber stehen bleiben, um weiterzusprechen, dann war die Belastung zu hoch", so die Maßgabe des Mediziner für die Physiotherapeuten, die Patienten mit Myokardinfarkt behandeln.


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Letzte Änderung: 18.04.2008 | Autor: Heiko Leske

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